Lauterbach. Von Samstag, 26. Oktober auf Sonntag, 27. Oktober 2024 fand in der Jugendherberge Lauterbach das diesjährige Jugendbetreuerwochenende statt. Eingeladen waren alle Jugendbetreuer aus den sechs Bezirken des Arbeitsbereichs Ost von Apostel Gerd Kisselbach. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche Lauterbach.
Im Turnus von zwei Jahren finden auf Apostelbereichsebene Fortbildungswochenenden für die Jugendbetreuer statt. Diese engagieren sich ehrenamtlich in den Gemeinden und Kirchenbezirken. Für das diesjährige Jugendbetreuerwochenende (JuBeWe) hatten sich 47 Teilnehmer angekündigt.
#connect
Die Anreise erfolgte am Samstagvormittag. Nach Begrüßung und einer kurzen Einführung in das Motto #connect bildeten sich bunt gemischte Gruppen zu jeweils fünf Teilnehmenden. Auf einem etwa einstündigen Spaziergang sollten unter freiem Himmel die drei Schwerpunkte von #connect „Verbindung aufbauen, Verbindung halten und Verbindung ausbauen“ in Bezug auf die Jugendseelsorge diskutiert werden.
Als Auflockerung nach dem Mittagessen sollten sich die Teilnehmer nach verschiedenen Kriterien sortieren, z.B. nach Schuhgröße, Konfirmationsdatum oder danach, wie lange sie schon in der Jugendseelsorge aktiv sind. Auf dem großen Hof der Jugendherberge war dadurch bei bestem Wetter einige Minuten lang reger Betrieb zu beobachten. Es wurde deutlich, welch diverse Gruppe hier versammelt war und welch reicher Erfahrungsschatz in einigen Teilnehmern schlummerte, die seit sehr vielen Jahren als Jugendbetreuer aktiv sind.
Workshops "Jugendseelsorge" und "GenZ"
Am Nachmittag standen zwei Workshops auf dem Programm: „Jugendseelsorge“ und „GenZ“. Der Workshop zu „Jugendseelsorge“ beinhaltete neben der Definition des Begriffs auch die Vorstellung von Umfrageergebnissen zu Jugend und Kirche, die zum Beispiel aus der Shell Jugendstudie entstammten. Natascha Wagner stellte zusätzlich weitere Aspekte vor, wie Jugendliche Glauben und Kirche heute erleben und warum die Bindung zu Kirche als Institution abnimmt. Im zweiten Teil wurden in Kleingruppen praxisnahe Beispiele von Situationen der Jugendseelsorge in der Gemeinde bearbeitet. Der Workshop endete mit dem Ausformulieren eines persönlichen Ziels für die eigene Jugendseelsorge.
Im Workshop über die Generation Z lernten die Teilnehmer die verschiedenen Generationen kennen. Volker Lange (Bezirk Hagen) präsentierte einen Vergleich der Herausforderungen und Prägungen jeder Generation und stellte im Detail die GenZ vor, die heute den größten Teil der Jugend ausmacht. Die Teilnehmer konnten über Mentimeter-Umfragen aktiv am Workshop teilnehmen.
Nach dem Abendessen hatten die Jugendbetreuer die Möglichkeit mit Apostel Gerd Kisselbach in den direkten Austausch zu gehen. Diskutiert wurde zum Beispiel, wie Gottesdienste für Jugendliche attraktiver gestaltet werden können. Danach ließen die Teilnehmer den Abend in großer Runde ausklingen.
Jugendgottesdienst am Sonntag
Der Sonntagmorgen startete mit einer Andacht, die von zwei Jugendbetreuern gestaltet wurde. Thema war auch hier #connect – dieses Mal in Bezug auf die Verbindung zu Gott. Eine zentrale Frage lautete: Hörst du ihn noch und kannst du seine Stimme von den vielen anderen Einflüssen unterscheiden? Mit Jesus an unserer Seite werde uns das gelingen. Nach diesem morgendlichen Impuls gab es Frühstück und anschließend machten sich die Teilnehmer auf den Weg in die Kirche nach Lauterbach.
In Lauterbach fand um 10 Uhr der Jugendgottesdienst für die Bezirke Hersfeld-Lauterbach und Kassel-Korbach statt, zu dem auch die Jugendbetreuer eingeladen waren. Apostel Gerd Kisselbach stellte den Gottesdienst unter das Bibelwort aus 2. Timotheus 3, 14-15: "Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus."
Zunächst ging der Apostel auf die Mitmachaktion vor dem Gottesdienst ein: Die Jugendlichen hatten Gründe gesammelt, warum sie neuapostolisch sind. „Da gibt es ganz schön viele“ – so der Apostel. Danach bezog er sich auf das Bibelwort und sprach davon, dass man als junger Mensch vielen Herausforderungen ausgesetzt sei. So sei es auch Timotheus ergangen. Apostel Paulus riet ihm daher, bei dem zu bleiben, was er gelernt hat.
Bibellesen
Das Lesen in der Bibel könne helfen, eine tiefe Verbindung zu Gott aufzubauen. In diesem Buch stehen viele tolle Sachen, die für jede Situation im Leben einen guten Rat bieten können. Der Apostel führte zum Beispiel die Begebenheit von David und Goliath an, die uns auch in unseren Herausforderungen Mut machen könne. Oder das Buch Tobias, welches für junge Menschen sehr geeignet sei. Der Apostel ergänzte abschließend, dass es zwei Typen von Menschen gäbe: Welche, die zuerst eine Bedienungsanleitung lesen, und welche, die sie erst lesen, wenn es ein Problem gibt. Die Bibel sei eine Bedienungsanleitung zum Glauben. Entweder, man liest sie zuerst, oder erst dann, wenn man ein Problem hat und nicht weiterweiß. Beides sei möglich.
Priesterin Natascha Wagner ergänzte die Predigt und wies darauf hin, dass es manchmal verwirren könne, wenn man einfach so in der Bibel lese. Man würde ja auch nicht ohne Vorkenntnis ein Buch über Quantenphysik lesen, auch wenn man gesagt bekomme, dass sich dadurch das Weltbild erweitere. Stattdessen würde man, sobald man etwas nicht versteht, jemanden fragen, der sich damit auskennt, zum Beispiel einen Physiker. In der Bibel stoße man auf scheinbare Widersprüche oder verschiedene Gottesbilder, die irgendwie nicht zusammenpassen. Dann solle man nicht mit seinen Fragen alleine bleiben, sondern viel mehr einen Freund oder die Geistlichen nach Rat und Erklärung fragen. Und auch Gott könne man im Gebet um Erkenntnis bitten.
Bezirksvorstehervertreter Daniel Kopp sprach anschließend davon, wie er einmal bei einem Seelsorgebesuch um die Bibel der Schwester bat und diese eine viel genutzte, sehr abgegriffene Bibel aus dem Schrank holte. Die war nicht mehr schön anzusehen, aber ihn habe es beschämt, wieviel diese Schwester in der Bibel lese. So sollen wir es auch machen, riet er den Jugendlichen, zum Beispiel nach oder vor dem Gottesdienst das jeweilige Bibelwort lesen und sich damit beschäftigen. Weiterhin sprach er von einem Freundebuch, dass herumgereicht wird und in das man schreibt, wer man ist. Die Bibel sei ein Freundebuch, in dem beschrieben ist, wie Jesus ist.
Gute Taten haben immer Bestand
Zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl erzählte Apostel Kisselbach eine Geschichte, in der zwei Männer durch die Wüste wanderten. Sie stritten sich und der eine, der geschlagen wurde, schrieb in den Sand: Heute hat mich mein Freund geschlagen. Einige Zeit später kamen sie an eine Oase und einer der Freunde blieb im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Daraufhin rettete ihn der andere Freund. Nun ritzte er in einen Felsen: Heute hat mich mein Freund gerettet. Als der andere Freund fragte, warum er einmal in Sand und einmal in Fels geschrieben habe, sagte der erste Freund: Die schlechten Taten werden vom Wind verweht und weggewischt. Die guten Taten haben für immer Bestand.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls empfing die Gemeinde noch den Schlusssegen. Umrahmt wurde der Gottesdienst von Jugendorchester und -chor, die mit ihren Liedern eine begeisternde Atmosphäre schafften. Nach Abschluss des Gottesdienstes kündigte Apostel Kisselbach noch ein „kleines Experiment“ an und bezog sich damit auf eine Idee der Diskussionsrunde am Samstagabend. Er nahm sich ein Handmikro und ging zu den Jugendlichen. Dann fragte er in die Runde, welche Gedanken die Jugendlichen aus dem Gottesdienst mitgenommen haben. Viele Jugendliche beteiligten sich und ermöglichten durch diesen Austausch eine schöne Nachbereitung des Gottesdienstes.
Im Kirchengebäude konnten alle Anwesenden dank eines großen Buffets noch gemeinsam essen und zusammenbleiben, ehe die Heimreise angetreten wurde.
30. Oktober 2024
Text:
Natascha Wagner
Fotos:
Simon Kisselbach,
Natascha Wagner
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