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Zentralgottesdienst 2024 aus Kassel:
„Wir können‘s ja nicht lassen?“

 

Westdeutschland/Kassel. Für Bezirksapostel Stefan Pöschel war es der erste Zentralgottesdienst im neuen Amtsauftrag. Und er nutzte ihn für einen klaren Appell an die Gläubigen in seinem Arbeitsbereich, sich auf Jesus zu besinnen und wieder mehr und mit Begeisterung von ihm zu sprechen.

Aus Kassel im Norden von Hessen wurde der diesjährige Zentralgottesdienst in mehr als 15 Länder im europäischen und westafrikanischen Arbeitsbereich von Bezirksapostel Stefan Pöschel übertragen. In der Gemeinde Kassel-Nordost hatten sich über 300 Gläubige versammelt. Per Übertragung waren live über 20.000 angeschlossen.

Von Christus sprechen

Grundlage für die Predigt war das Bibelwort aus Apostelgeschichte 4,20: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Es stammt aus der Begebenheit, als Petrus und Johannes im Namen Jesu einen Kranken heilten und die Aufmerksamkeit nutzten, um auf das noch größere Wunder der Auferstehung des Gottessohns hinzuweisen. Im Anschluss wurden sie von den Oberen unter Druck gesetzt, nicht mehr von Christus zu sprechen, weil es die Menschen durcheinanderbringe.

Doch die Apostel und die Gemeindemitglieder sprachen trotzdem weiter über Jesus Christus, die frohe Botschaft und Gottes Liebe für alle Menschen.

Christen tragen ihren Glauben weiter

„Über 2.000 Jahre war es das Erfolgsrezept der Christen, andere mit ihrer Begeisterung anzustecken – und dabei hatten sie es oft nicht leicht und wurden bedroht“, erinnerte Bezirksapostel Pöschel. Dies führte zur „Erfolgsstory“ des Christentums, das sich weltweit ausbreitete. „Faszinierend, was die Überzeugungskraft des Einzelnen bewirken kann.“

Dabei hätten die späteren Generationen Jesus und seine Wunder gar nicht mehr persönlich kennengelernt. „Doch sie haben das Wunder gesehen, was der Glaube mit einem Menschen machen und wie er ihn verändern kann“, so der Bezirksapostel. Die Wasser- und Geistestaufe schaffe bis heute neues Leben aus Gott.

Wie sieht es bei uns heute aus?

Gerade in Westeuropa werde der Glaube mehr und mehr als Privatsache gesehen, wechselte der Bezirksapostel in die Gegenwart. Gelebtes Christentum sei rückläufig, die Trennung von Kirche und Gesellschaft schreite voran, man wolle niemanden bedrängen und fände sich mit der Säkularisierung ab.

„Für mich sind das dicke Mauern, hinter denen wir uns verschanzen“, sprach Bezirksapostel Pöschel Klartext. Das seien Ausflüchte, die gesucht werden, weil die Christen es vielleicht ein Stück weit verlernt hätten, mit der und aus der Begeisterung zu leben, wie es die Urchristen taten. „Stattdessen suchen wir Ausflüchte, warum wir nicht mehr missionieren und nicht mehr über Jesus, sein Heilsangebot, die frohe Botschaft und die Liebe Gottes sprechen.“

Manche hielten es auch für ausreichend, ein Leben nach den Maßstäben des Evangeliums zu führen und sich als gute Christen in die Gesellschaft zu integrieren. „Natürlich ist das auch ein Bekenntnis zu Christus“, so der Bezirksapostel. „Aber stellt euch vor, Petrus und Johannes, die ersten Christen und die Gemeinden im Mittelalter bis in unsere Zeit, bis zu unseren Vätern und Müttern hätten das so rational, abstrakt und intellektuell sauber hergeleitet? Dann wären wir heute nicht da, wo wir sind.“

Ich rede gern von meinem Glauben?!

Der Bezirksapostel formulierte den Bibelvers um: „Ich rede gern von meinem Glauben.“ Und hakte nach: „Kannst du das so unterschreiben?“ Dazu sei es nicht notwendig, Rhetorikseminare zu besuchen, das könne jeder.

Das Reden über den Glauben habe mehrere Dimensionen. Zum einen die inhaltliche: Wer sich unsicher sei, der finde alle Grundlagen im Katechismus der Kirche – leicht erklärt auch in der „Fragen und Antworten“-Version. Der Bezirksapostel ermunterte, sich besonders mit dem Glaubensbekenntnis zu beschäftigen.

Und der andere Aspekt neben den theologischen Grundlagen: „Mein Glaube ist besonders auch mein erlebter Glaube, die persönlichen Glaubenserlebnisse.“ Diese wünsche er insbesondere der jungen Generation. „Bittet doch unseren Gott um Erlebnisse im Glauben. Ihr könnt ihn im Alltag entdecken und seine leitende, liebende Hand verspüren.“ Und den älteren Kirchenmitgliedern rief der Bezirksapostel zu: „Ihr habt so viel erlebt, seid nicht stumm!“

Wollen wir uns damit abfinden?

Im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen in der Kirche wie Gemeindezusammenlegungen stellte der Bezirksapostel die Frage „Wollen wir uns dem ‚Der Letzte macht das Licht aus‘ einfach so hingeben?“ Er sehe einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Reden über den persönlichen Glauben und die Entwicklung der Kirche.

Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, aber: „Vielleicht liegt es auch ein großes Stück daran, dass wir es unterlassen, von unserem Glauben lebendig und offen zu sprechen, wie es unsere Väter und Vorväter und Mütter und Vormütter taten.“ Wo sei die Lebendigkeit, wo das Mitteilungsbedürfnis?

Zeit für eine Wende

Bezirksapostel Pöschel zeigte sich überzeugt: „Da wo Bekennermut und -freude breiten Raum einnehmen, wird sich auch Erfolg einstellen.“ Es sei Zeit für eine Wende. Jesus habe zwar von der kleinen Herde gesprochen, doch auch vom Sprechen und Handeln bis zu seiner Wiederkunft.

Den Christen sei für ihren Einsatz auch ein Lohn in Aussicht gestellt: „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.“ (Matthäus 10,32)

Zum Heil des Nächsten beitragen

Abschließend ging der Bezirksapostel noch auf den Aspekt „wir können’s ja nicht lassen“ ein. Es gelte zu erkennen, dass jeder Christ mit dem öffentlichen Bekenntnis auch einen Beitrag zum Heil des Nächsten leiste. Wie ein Ersthelfer am Unfallort, der Kraft Gesetz zur Hilfe verpflichtet ist. Nur dann hätten die anderen Menschen die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. „Wir dürfen nicht schweigen, sondern wollen zum Heil des Nächsten beitragen.“

Christliche Werte verteidigen

In seinem letzten Predigtbeitrag vor der Ruhesetzung ermunterte Bischof Johanning, sich einmal in Ruhe, zum Beispiel bei einem Waldspaziergang, Gedanken darüber zu machen, warum gerade der apostolische Glaube für einen selbst so wertvoll sei. Das reine zitieren aus dem Katechismus sei weniger überzeugend.

Wer die Werte des Evangeliums im Alltag lebt und verteidigt, der könne sich auch schonmal „ein blaues Auge“ holen. Aber wenn die christlichen Werte bedroht sind, gelte es, zur Stelle zu sein und nicht wegzuschauen. Seine abschließende Empfehlung für eine Dankespyramide: „Wir danken Gott, dass wir ihn haben. Wir danken Gott, dass er uns hat. Wir danken Gott, dass wir uns haben.“

Hab ein hörendes Herz

Apostel Dimitrios Diniz (Portugal) berichtete aus dem Jahr 1982, als zwei Seelsorger der Neuapostolischen Kirche an die Wohnungstür seiner Eltern in Dortmund klopften und zum Gottesdienst einluden. „So fing das an, wir sind hingegangen und uns hat neben der Predigt diese schöne Atmosphäre in der Gemeinde berührt.“ Klar sei: „Wenn diese beiden Priester nicht an unsere Haustür geklopft hätten, wäre ich wahrscheinlich heute gar nicht hier.“

Der Apostel ermunterte, ein hörendes Herz zu haben und die Impulse Gottes im Inneren nicht zu ignorieren oder zu lange drüber nachzudenken.

Gottesdienst in Kassel-Nordost

Der Zentralgottesdienst 2024 fand in der Gemeinde Kassel-Nordost (Bezirk Kassel-Korbach) statt. Musikalisch wurde er von einem gemischten Chor, einem Kinderchor, einem Kinder-/Jugendchor sowie einem kleinen Orchester musikalisch mitgestaltet. Im YouTube-Kanal der Gebietskirche sind einige Auszüge veröffentlicht.

Im Gottesdienst nahm Bezirksapostel Stefan Pöschel zwei Amtshandlungen vor: Bischof Peter Johanning aus Bielefeld wurde nach 45 Jahren als Amtsträger in den Ruhestand versetzt. Als Nachfolger wurde Bezirksevangelist Thomas Wiktor (Minden) zum Bischof ernannt. Als Bischof unterstützt er künftig an der Seite von Bischof Michael Eberle den zuständigen Apostel Carsten Denker.

Vorstellung der Gäste

Nach dem Abschalten der Übertragung stellte der Bezirksapostel den Gottesdienstteilnehmern in Kassel-Nordost die Apostel und Bischöfe vor, die aus dem europäischen Arbeitsbereich angereist waren. Im Anschluss gab es einen Imbiss für alle Besucher, sodass noch Gelegenheit zum Austausch und Kennenlernen war.

Übertragung per Internet

Der Gottesdienst wurde via IPTV auf die Gemeinden übertragen. Zudem hatte der Bezirksapostel im Vorfeld per Brief über 40.000 inaktive Kirchenmitglieder eingeladen, den Gottesdienst via YouTube mitzuverfolgen.

18. September 2024
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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PDF-Version

Youtube-Link https://www.youtube.com/watch?v=cdzkLWfxmzw
Youtube-Link https://www.youtube.com/watch?v=LTRjezVBuSc
Youtube-Link https://www.youtube.com/watch?v=cdzkLWfxmzw
Youtube-Link https://www.youtube.com/watch?v=sXLKj5ie2fE
 

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