Kassel-Korbach/Baunatal. Ein Gedanke hat an Dynamik gewonnen. Der folgende Bericht skizziert die Entwicklung der Single-Gruppe im Kirchenbezirk Kassel-Korbach.
In jedem Anfang liegt ein Zauber
Es ist Anfang 2020 – gerade werden die ersten Corona-Infektionen in Deutschland bekannt. Der für den 1. März geplante Single-Gottesdienst in Duisburg kann aber noch stattfinden. Nachdem die Gemeinde den Kirchensaal verlassen hat, wendet sich Apostel Thorsten Zisowski (Apostelbereich Nordwest) noch einmal den Alleinlebenden zu und bittet im abschließenden Gebet um Bewahrung und Behütung – gerade für die Alleinlebenden im Hinblick auf die sich abzeichnenden Einschränkungen durch die beginnende Pandemie. Diese wohltuende Atmosphäre begleitet Priester Wolfgang Lengemann aus Baunatal auf der anschließenden Heimfahrt - zudem der Gedanke, wie im eigenen Kirchenbezirk Zusammenkünfte der Singles organisiert werden könnten.
Angeleitet durch einen persönlichen Kontakt aus dem Rheinland, meldete sich Bezirksvorsteher Sascha Tümmler bei unserem Priester schneller als gedacht und bat diesen, Wege zur Kontaktaufnahme untereinander zu suchen. So entstand ein erster Rundbrief/Aushang an die Singles im Bezirk Kassel-Korbach, woraufhin kurz darauf sieben Rückmeldungen eintrafen. Dank der modernen Technik fanden sich die Alleinlebenden bei einer Zoom-Konferenz und kurze Zeit später zu einem ersten Treffen in der Kasseler Karlsaue an der Fulda zusammen. Das erste Highlight war die gemeinsame Fahrt im VW-Bus zum Single-Gottesdienst mit Bezirksapostel Rainer Storck in Hanau, ehe Covid-19 sich breit und weitere Treffen unmöglich machten.
Die Pandemie als Chance
Nun war guter Rat teuer. Erneut kam die Technik zu Hilfe. Ein Bruder machte den Vorschlag, sich online zu Spieleabenden zu verabreden. Über eine Plattform konnte per Bild und Ton kommuniziert werden, über eine zweite wurde Karten gespielt. Eine Glaubensschwester brachte es einmal auf den Punkt: „Das ist, als wenn ich mit meinen Freunden am Esszimmertisch sitze, mich mit ihnen unterhalte und dabei Karten spiele“. Rückwirkend betrachtet konnten in der Lockdown-Zeit keine weiteren Singles neu begrüßt werden - diese ‚Verabredungen‘ haben aber die kleine Schar einander näher bekannt gemacht und herzliche Freundschaften entstehen lassen.
Noch während der Pandemie wurden gemeinsam Unterlagen erstellt, mit welchen die Alleinlebenden - sobald wieder möglich - in den Gemeinden vorstellig werden wollten. Auch die regelmäßigen Berichte zu Veranstaltungen der Alleinlebenden wie der Besuch des Weinbergbunkers im Vorfeld zum Entschlafenen-Gottesdienst, ein gemeinsames Wochenende im Harz, der Besuch der Documenta, ein Aufenthalt im Fassmotel am Edersee und viele andere mehr – erzeugten Aufmerksamkeit. So wuchs die kleine, aber herzliche Gemeinschaft Alleinlebender zusammen.
Seelsorge ist ein besonderer Schwerpunkt
Zu Beginn des Jahres 2023 wurde Bischof Gerd Kisselbach mit der übergeordneten Betreuung der Alleinlebenden in der Gebietskirche Westdeutschland beauftragt. Die Priester Reiner Krempf und Wolfgang Lengemann hatten einen Themenkatalog ausgearbeitet, so dass mit dem Bischof und einer großen Anzahl der Bezirksansprechpartnerinnen und -ansprechpartner der Gebietskirche Westdeutschland eine Besprechung in Leverkusen organisiert werden konnte. Drei Schwerpunkte wurden festgelegt:
- Seelsorge im Fokus unserer Arbeit als Ansprechpartner für Singles; Aktivitäten schaffen vorbereitend Nähe und Vertrauen.
- Überarbeitung des Internet-Auftrittes und die Erstellung eines neuen Flyers, welcher die Neuausrichtung nach außen tragen soll.
- Das Bestreben, möglichst bald in jedem Kirchenbezirk einen Bezirksansprechpartner zu benennen – gern auch zwei (Frau/Mann).
Erster Gottesdienst für Alleinlebende und Singles
Im September 2023 erläuterte Bischof Kisselbach im Kreis der Bezirksvorsteher die Neuausrichtung zur Betreuung der Alleinlebenden und präsentierte den neuen, informativen Flyer. Beide Themen wurden im Bezirk Kassel-Korbach mit einem Anschreiben an die Gemeinden vertieft - verbunden mit der Einladung zum ersten Single-Gottesdienst im Bezirk. So konnten am Sonntag, 22. Oktober 2023, fast fünfzig Alleinlebende/ Singles in der Kirche in Baunatal begrüßt werden, die den Gottesdienst mit Bezirksältesten Sascha Tümmler erlebten.
Weitere Ansprechpartnerin ernannt
In diesem Gottesdienst am 22. Oktober wurde Schwester Ruth Esther Heide aus der Gemeinde Calden als weitere Ansprechpartnerin von Bezirksältesten Tümmler ernannt und unterstützt nun Priester Wolfgang Lengemann im Kirchenbezirk Kassel-Korbach. Kommunikation in vielfältiger und zeitgemäßer Form ist erforderlich – um vieles mehr aber die seelsorgerische Zuwendung. Ein offenes Ohr und ein verständnisvolles Herz anbieten, so formulierte der Bezirksvorsteher den Auftrag unserer Schwester.
31. Dezember 2023
Text:
Wolfgang Lengemann
Fotos:
Simon Kisselbach
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