Am Sonntag, 30. Juni 2024 war es endlich so weit. Nach vielen Jahren konnte der ganze Bezirk Kassel-Korbach wieder zu einem gemeinsamen Gottesdienst zusammenkommen. Für Juni 2023 war dieser Gottesdienst bereits geplant, musste aber aufgrund von Unwetterschäden an der Halle kurzfristig abgesagt werden.
"Wie schön, dass wir gemeinsam Gottesdienst feiern können", das waren die ersten Worte von Apostel Gerd Kisselbach, die er den rund 800 Glaubensgeschwistern in der Halle entgegenbrachte. Der letzte Gottesdienst in diesem Kreis und an diesem Ort war vor sechs Jahren, im Juli 2018, mit Bezirksapostel Rainer Storck.
Kommt, lasst uns anbeten
Der Apostel sprach davon, dass sich durch die Pandemie und die Kriege auch in unserem Leben so manches verändert habe. Passend dazu hätten die Sänger gesungen: "Heute" - wo wir zusammengekommen sind, um Gottes Wort hören zu können - "da verstockt eure Herzen nicht". Damit nicht Sorgen und Nöte das Herz fest oder gar leblos machen, zitierte der Apostel den Vorschlag der Sänger: "Kommt, lasst uns anbeten, denn er ist unser Gott!"
Der Apostel lud die ganze Gemeinde ein, Gott anzubeten und damit den Blick aus dem Alltag aufzuheben, um zu erkennen, wie groß unser Gott ist. Diese Anbetung möge die Beziehung zu Gott, dem Gegenwärtigen und Begleitenden, groß in uns machen. Dann könne die Liebe Gottes Raum in unseren Herzen haben, der Friede sich im Herzen entfalten und die Zuversicht entstehen: Das Beste kommt noch - die Erwartung des wiederkommenden Herrn.
Geben ist seliger denn nehmen
Apostel Kisselbach fragte die Gemeinde, wer denn 2014 beim Internationalen Kirchentag in München dabei gewesen war. Nachdem die halbe Gemeinde sich gemeldet hatte, berichtete er, dass er sich in den letzten Tagen mit dem Thema des Gottesdienstes beim Kirchentag beschäftigt habe: "Geben ist seliger denn nehmen". Anschließend suchte er das Bibelwort, mit dem Bezirksapostel Storck vor sechs Jahren hier gedient habe: "Geben ist seliger denn nehmen". Er schlug einen Bogen zum Sonntags-Gottesdienst eine Woche zuvor, in dem der Stammapostel ermutigte: "Fang bei dir an: verzeih, richte nicht, gib."
Was können wir mit unseren Händen tun?
Apostel Kisselbach verwies auf das Bild, welches die Kinder während einer Familienfreizeit gestaltet hatten und das direkt vor dem Altar aufgestellt war. Auf diesem Bild waren viele Hände abgebildet und er rief die Gemeinde auf, gebende Hände zu haben. So gab er auch den Rat, die Hand dem Herrn zu reichen oder auch dem Nächsten. Um sich gegenseitig die Hände zu reichen, bedürfe es Nähe und ein aktives Aufeinanderzugehen.
Vorbereitung auf Entschlafenen-Gottesdienst
Im 1. Brief an die Thessalonicher lobte Apostel Paulus den Glauben der Gemeinde in Thessaloniki und alle damit verbundenen Werke. Apostel Kisselbach dankte auch für den Glauben der Geschwister heute und verband damit die Bitte, den allerheiligsten Glauben zu pflegen und zu fördern, damit er weiter wachsen und Werke hervorbringen könne.
In der Vorbereitung auf den Entschlafenen-Gottesdienst blickte der Apostel auf den Kern des Bibelwortes aus 1. Thessalonicher 4, 14: "Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die da entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen." Die ersten Gemeinden seien geprägt gewesen von der Naherwartung des Herrn. Die Apostel hätten erlebt, dass Jesus nach drei Tagen auferstanden ist und dass der Heilige Geist als Tröster an Pfingsten, also 50 Tage nach Ostern, gekommen sei. So wäre auch die Erwartung gewesen, dass sich die Verheißung der Wiederkunft Jesu Christi in Kürze erfüllen würde, was aber nicht geschah.
Als die ersten Menschen verstarben, machte man sich Gedanken, ob diese trotzdem das Heil empfangen würden. Apostel Paulus habe ihnen den Blick geöffnet, dass es Gottes Wille sei, dass alle Menschen das Heil empfangen können. Apostel Kisselbach sprach davon, dass daraus der Auftrag an die Apostel erging: Gehet hin in alle Welt. Bis heute leben wir in der Zeit, in der das Heil in jedes Herz getragen werden soll.
Vielfältiges Handeln mit Händen
Bezirksältester Sascha Tümmler ging in seinem Predigtbeitrag noch einmal auf das Bild der Hände ein. Die Hände eines jeden Menschen seien individuell, dadurch sei aber auch eine Vielfalt geschaffen, in der wir als Gemeinde arbeiten mögen. Er zählte auf, was man mit seinen Händen alles tun könne: Man kann etwas zerstören, aber auch etwas aufbauen, man kann jemanden verletzen oder ihm helfen und die Tränen abwischen. Daraus folgte der Hinweis: Pass auf, was du mit deinen Händen machst. Im Blick auf den kommenden Sonntag gab der Bezirksvorsteher den Rat, mit den Händen zu beten und die Hand zum Nächsten auszustrecken.
Mit seinen Händen dienen
Apostel Kisselbach sprach davon, dass man seine Hände auch in den Schoß legen könne und dann der Mensch in Erwartungshaltung sei, dass andere etwas tun. Der 1. Petrusbrief ermutige jeden in der Gemeinde, mit seinen Händen zu dienen und mit seinen Gaben an dem Platz, wo er ist. Bei dem Dienen mit den Gaben gäbe es keine Altersbeschränkung.
Ansprache zu den Ordinationen
Vor der Ordination richtete der Apostel zwei Bitten an die Gemeinden. Es sei selbstverständlich, dass wir für unser tägliches Brot beten würden. Und wenn wir in den Gottesdienst gingen, erwarteten wir die Entgegennahme der Himmelsspeise. Daher war seine erste Bitte, weiter um Amtsgaben zu beten. Und die zweite Bitte lautete: Nehmt Amt an. Es werde oft der Anspruch an den Träger eines Amtes so ausgelegt, dass er oder sie genau so sein solle wie die Amtsträger, die wir über Jahrzehnte kannten. "Gott gibt in jede Zeit die passende Gabe - und wie die Zeit sich verändert, so verändern sich auch die Gaben".
Das Amt der Diakonin empfingen die Schwestern Kerstin Borkowski (Gemeinde Oberweser-Solling) und Daria Lohr (Gemeinde Baunatal). Zur Priesterin ordiniert wurden die Diakoninnen Gabriele Schmitz und Natascha Wagner (beide Gemeinde Calden).
Musikalischer Rahmen
Vor und nach dem Gottesdienst kamen die Kinder des Bezirks - die Singflöhe - zum Einsatz. Desweiteren musizierte das Bezirks-Jugendorchester und es sang der Bezirkschor.
8. Juli 2024
Text:
Marco Wagner
Fotos:
Simon Kisselbach
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