Am Sonntag, 2. August 2026 besuchte Bezirksältester Tobias Rother aus dem Bezirk Darmstadt die Gemeinde Niestetal und hielt dort einen Gottesdienst, der die Gläubigen tief bewegte. Im Rahmen eines Bezirksämteraustauschs feierte Bezirksevangelist Gerhard Steinke den Gottesdienst in Kassel-Südwest und Hirte Jörg Lonthoff einige Wochen später in der Gemeinde Oberweser-Solling.
Stille vor Gott
Grundlage der Predigt von Bezirksvorsteher Tobias Rother (Bezirk Darmstadt) in der Gemeinde Niestetal war das Wort aus Habakuk 2, 20: „Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei stille vor ihm alle Welt!“ Er griff den Gedanken auf, dass die Sorgen des privaten Lebens im Haus Gottes ihren Platz finden dürfen, denn hier bekommen wir die Gelegenheit, sie vor Gott zu bringen. Bei Gott haben wir Sicherheit.
Als Beispiel für einen großen, überraschenden Moment erzählte er von einem unangekündigten Besuch des damaligen Stammapostels in der DDR: Der Gemeindegesang sei plötzlich verstummt, es wurde ganz still – und diese Stille wich großer Freude, als bekannt wurde, dass der Stammapostel unangekündigt gekommen war. Niemand hatte davon gewusst.
Wie im Paradies
Der Bezirksälteste stellte die Frage: Was war im Paradies eigentlich so schön? Seine Antwort: Im Paradies entsprach alles dem Willen Gottes – genau deshalb war es das Paradies. Als Bild dafür brachte er das Beispiel der Arche Noah: Dort lebte alles im Einklang miteinander – kein Löwe fraß das Zebra, kein Elefant zertrat die Maus. Es war der Friede Gottes, der auf diesem Schiff herrschte.
Mitten unter euch
Der Gemeinde wünschte er Anteil an Gott, Frieden und ein Stück Himmel auf Erden und erinnerte an die Zusage Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter euch.“ Als Beleg diente ihm die Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen verängstigten, sich versteckenden Jüngern: Jesus trat plötzlich mitten unter sie und sprach: „Ich bin's doch!“ Die Jünger, zunächst voller Unglauben, wurden von einer Freude erfüllt, mit der sie kaum umzugehen wussten. Warum sollte es uns heute anders ergehen als damals, fragte der Bezirksälteste.
Ganz persönlich erlebt
Sehr geprägt war seine Predigt von eigenen Glaubenserlebnissen, die er mit spürbarer Begeisterung und Hingabe teilte. So berichtete er von einem Urlaub mit seinen Kindern, deren anhaltender Streit ihn sehr belastete. Er legte die Sorge ins Gebet und im darauf folgenden Gottesdienst sprach ein Mitdienender, ohne von der konkreten Situation zu wissen, die Gemeinde allgemein zum Thema Familien mit Kindern an. Für den Bezirksältesten fühlte sich dies dennoch wie eine ganz persönliche Ansprache Gottes an, und die Sorge um den Streit seiner Kinder war danach gelöst.
Ein weiteres Erlebnis schilderte er aus einem Gottesdienst, in dem er im Nebenraum saß: Als Apostel Lindemann das Abendmahl austeilte und dabei in den Nebenraum kam, empfand er dies wie den Besuch Jesu selbst, der das Zimmer betritt. Dies erfüllte ihn mit Freude. Er rief die Gemeinde dazu auf, Stille im Herzen zu tragen, um Gott darin erkennen zu können.
Ein Date mit Gott
Vorsteher der Gemeinde Niestetal, Priester Maurice Zimmermann, vertiefte den Gedanken der Predigt: Der Gottesdienst stehe nicht im Kalender, und doch nehmen wir uns bewusst die Zeit dafür – ein Zeichen, wie wichtig er uns ist. Er erzählte dazu die Geschichte einer Frau, die von einem Bekannten gefragt wurde, ob sie so schick angezogen zu einem Date gehe. Sie antwortete, sie gehe in den Gottesdienst – worauf der Mann erwiderte: „Also doch ein Date - mit Gott.“
Er machte deutlich, dass andere Konfessionen oft in großen, ehrwürdigen Kirchen und Tempeln Gottesdienst feiern, in denen schnell eine natürliche Stille entstehe. Unsere Gemeinde dagegen erlebe eine Wohnzimmeratmosphäre – in der wir sowohl stille als auch laute, bewegte Momente miteinander und mit Gott teilen, auch die Momente der Sorge.
Ein heiliger Raum der Begegnung
Priester André Schäfer ergänzte den Gedanken der Stille: Der Tempel sei ein heiliger Ort, eine Stätte der Ruhe und ein Raum der Begegnung mit Gott – nicht nur während des Gottesdienstes, sondern auch davor und danach, im stillen Gebet.
Stille statt Lied
Zum Abschluss berichtete Bezirksältester Rother von einer Begegnung mit dem Organisten der Gemeinde, der jeden Samstag den Gottesdienst vorbereitet, vor dem Altar kniet und für die Geistlichen und einen gelingenden Gottesdienst betet. Anstatt an diesem Tag ein Lied zu musizieren, verbrachte man gemeinsam eine Minute der Stille.
Bezirksältester Tobias Rother aus dem Bezirk Darmstadt am Altar der Gemeinde Niestetal (Bezirk Kassel-Korbach)
1. Oktober 2026
Text:
Lars Hillen
Fotos:
Lars Hillen
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