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IPTV-System: Das Erfolgsprojekt
wird weiterentwickelt

 

Westdeutschland. Aus einer Audioübertragung via Telefon für Kranke wurde innerhalb weniger Jahre eine Sendemöglichkeit von Gottesdiensten per Bild und Ton. Möglich ist das durch das IPTV-System der Neuapostolischen Kirche. Inzwischen sind die meisten Gemeinden in Westdeutschland sendefähig.

Nahezu alle neuapostolischen Christen in Westdeutschland können inzwischen auf einfachem Weg an den Gottesdiensten und dem Gemeindeleben ihrer Gemeinde teilhaben, wenn sie aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht vor Ort sein können. Umgesetzt wird das über das IPTV-System der Neuapostolischen Kirche.

IPTV ist dabei die Abkürzung für "Internet Protocol Television" und bezeichnet im Allgemeinen die Übertragung von Fernsehprogrammen und Filmen über das Internet.

Trotzdem: Präsenzgottesdienste bleiben unersetzlich

„Ich bin sehr dankbar für die technischen Möglichkeiten, die besonders älteren und kranken Gemeindemitgliedern helfen“, sagt Bezirksapostel Stefan Pöschel, Leiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. Dennoch betont er die Bedeutung der Präsenzgottesdienste: „Die Gemeinschaft im Kreis der Gläubigen und im Heiligen Abendmahl sind durch eine Internetübertragung nicht zu ersetzen.“ Viele, die auf IPTV angewiesen sind, würden am liebsten persönlich teilnehmen.

Vor dem Hintergrund der Ferienzeit ermutigt der Bezirksapostel auch dazu, im Urlaub örtliche Gemeinden zu besuchen: „Unsere Glaubensgeschwister vor Ort freuen sich über Gäste – und man nimmt wertvolle Eindrücke mit.“

Rückblick: Start in der Pandemie

Vor fünf Jahren war die Welt im Corona-Lockdown. Neuapostolische Christen verfolgten von März bis Juni 2020 die Gottesdienste via YouTube von zu Hause aus, die zumeist aus der Kirchenverwaltung in Dortmund gesendet wurden. Als die Präsenzgottesdienste in den Gemeinden wieder starteten, stellten viele Gemeinden eigene Übertragungen auf die Beine, um vulnerable Gemeindemitglieder teilhaben lassen zu können.

Bereits zuvor konnten die Gläubigen via Telefon die Gottesdienste in vielen Gemeinden Westdeutschlands live mitverfolgen. Doch in der Pandemie hatten sich viele an die Videoübertragungen gewöhnt. Besonders dauerkranke ältere Gemeindemitglieder besorgten sich entsprechende technische Ausstattung und ließen sich diese von Kindern oder Enkelkindern einrichten und erklären.

Kirchengemeinden wurden ausgestattet

Daher beschloss die Kirchenleitung im Jahr 2020, nach und nach fast alle Gemeinden mit einer Sendemöglichkeit auszustatten. Diese besteht aus einer fernbedienbaren, schwenkbaren Kamera, dem IPTV-System (einem selbst entwickelten Gehäuse, das einen Raspberry-Pi Minicomputer und entsprechende Zusatzhardware enthält) sowie dem entsprechenden Anschluss an die ELA-Anlage. Kostenpunkt je Installation: 1.500 bis 2.500 Euro.

Vorteil des weitestgehend automatisierten Systems: bei statischer Kameraeinstellung auf den Altar muss niemand während des Gottesdienstes etwas steuern. Alternativ kann die Kamera ferngesteuert verschiedene Bildpositionen zeigen.

Die Sendung wird automatisiert gestartet und beendet. Die Zeiten und Einstellungen für die Gottesdienste übernimmt das System aus dem NAK-Portal (künftig aus dem neuen Gemeindeportal ELIAS). Per Login auf dem IPTV-System über ein Mobilfunkgerät, Tablet oder einen Computer können auch Texte wie Liednummern, Bibelworte oder Namen eingeblendet werden.

Automatisierte Nutzersteuerung

Die Mitglieder einer Gemeinde werden automatisch zu den jeweiligen Gottesdiensten hinzugefügt. Dauerkranke Gemeindemitglieder erhalten einen Tag vor der Veranstaltung eine E-Mail-Einladung mit einem „Token-Link“, um damit ohne separate Anmeldung direkt zur Übertragung zu gelangen. Alle weiteren können sich bei Bedarf mit Benutzername und Passwort einloggen und zuschauen.

Über den E-Mail-Link ist die Teilnahme an einem Laptop, Tablet oder Smartphone einfach möglich. Alternativ bietet die Kirche eine kostenfreie IPTV-App für den „Fire TV-Stick“ von Amazon an. Nach einem einmaligen Login braucht ein Nutzer nur die App zu starten, woraufhin die Sendung automatisch startet.

Die meisten Gemeinden können senden

Inzwischen sind 86 Prozent der knapp 400 Gemeinden in Westdeutschland mit der IPTV-Sende- und Empfangstechnik ausgestattet. Die anderen 14 Prozent können derzeit nur IPTV-Sendungen empfangen, also beispielsweise die Gottesdienste des Stammapostels in der Gebietskirche, Übertragungen auf Bezirksebene oder den jährlichen Zentralgottesdienst. Denn auch die internationale Kirche hat nach der Pandemie die Sendungen per Satellit eingestellt und setzt auf die Sendung per IPTV.

17.500 IPTV-Nutzerkonten gibt es zurzeit in Westdeutschland. Wochentags nutzen schauen etwa 3.500 Gläubige den Gottesdienst aus ihrer Gemeinde, rechnerisch 14 je Gemeinde. Sonntags sind es etwas weniger.

Eingesetzt wird das IPTV-System von allen drei deutschen Gebietskirchen. So gibt es im Moment insgesamt knapp 45.000 Nutzerkonten. Deutschlandweit sind etwa 1.000 von insgesamt über 1.300 Gemeinden sendefähig. Die Gebietskirche Süddeutschland stattet in diesem Jahr weitere 400 Gemeinden aus. Wochentags senden 600 Gemeinden ihre Gottesdienste und erreichen online insgesamt 5.900 Zuschauer. Sonntags sind es 800 Gemeinden mit 5.500 Online-Teilnehmern.

Weitere Funktionen in Planung

Aktuell ist geplant, den Zugang zum IPTV-System gerade für ältere Nutzer weiter zu vereinfachen. Über eine „IPTV@Home“-Set-Top-Box, die an den Fernseher angeschlossen wird, soll die Teilnahme an den Übertragungen per „Ein-Knopf-Bedienung“ möglich werden. Die voraussichtlichen Kosten liegen bei knapp über 100 Euro je Nutzer für das Gerät. Die IPTV-Verantwortlichen werden mit Details versorgt, sobald das System verfügbar ist.

Zudem ist eine „Time-Shift-Funktion“ für zentrale Veranstaltungen der Gebietskirchen in Vorbereitung. Derzeit werden die Gottesdienste nur live gesendet. Künftig wird es möglich sein, die Übertragung zu pausieren oder sich ausgewählte Gottesdienste auch noch später anzuschauen, beispielsweise wenn man einen Gottesdienst des Stammapostels verpasst hat, weil man arbeiten musste.

IPTV-System Mark II im Einsatz

Die erste Version des IPTV-Systems in den Gemeinden war eine „Bastel-Lösung“ mit fliegenden Einzelteilen, bestehend aus einem Raspberry-Pi sowie Soundkarte, Videograbber, Konverter und Kabeln. Seit 2024 wird die Weiterentwicklung verbaut und vorhandene Systeme nach und nach ersetzt.

Das IPTV-System Mark II ist eine Eigenentwicklung mit Tasten und Display. Entwickelt hat es ein ehrenamtlich tätiges Kirchenmitglied aus Darmstadt, der beruflich mit dem Thema vertraut ist. Die Herstellung von Platinen und der Zusammenbau der Komponenten erfolgt zum Selbstkostenpreis bei einem Unternehmen eines Kirchenmitglieds aus Bünde. Installiert wird die Systemtechnik in den Gemeinden über einen Systempartner, der schon seit Jahrzehnten mit der Kirche zusammenarbeitet.

Ein IPTV-Mark II besteht aus 288 Einzelteilen. Für die Endmontage der Einzelkomponenten benötigt eine Person gut 45 Minuten pro Gerät. Auch die eigens entwickelten Bleche kommen aus Deutschland. Damit hat die Kirche insgesamt, soweit möglich, auch versucht, einen möglichst kleinen CO₂-Fußabdruck zu hinterlassen.

21. Dezember 2025
Text: Frank Schuldt, Marco Wagner
Fotos: NAK Westdeutschland

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